Philipps-Universität
Landgrafenschloss
Fürstensaal
Philipps-Universität
Die Marburger Universität wurde 1527 im Zuge der Reformation vom Landgrafen Philipp dem Großmütigen als zweite protestantische Universität gegründet. Mit elf Professoren und 84 Studenten begann am 1. Juli 1527 in den bisherigen Klostergebäuden der Stadt das "universale studium Marburgense", um Prediger und Amtsleute auszubilden. Neben der führenden Theologischen Fakultät gab es von Anfang an eine Juristische, eine Medizinische und eine Philosophische Fakultät. In den ersten drei Jahrhunderten der wechselvollen Universitätsgeschichte schwankte die Studentenzahl zwischen 30 und 300 - abhängig vor allem von der Innovationskraft der Universität: Hier wurde der weltweit erste Lehrstuhl für Romanistik (1606) sowie für Chemie (1609) eingerichtet, bedeutende Wissenschaftler wie der Mathematiker Denis Papin (17. Jh.), der Philosoph Christian Wolff (18.Jh.), der Rechtswissenschaftler Savigny (19. Jh.) oder der Chemiker Robert Bunsen (19. Jh.) lehrten in Marburg und zogen Schüler wie Lomonossow oder die Brüder Grimm an.
Der große Aufschwung - auch für die Stadt selbst - setzte ein, als Hessen 1866 von Preußen annektiert und die Universität "Königlich-Preußische Universität" wurde. Innerhalb von 20 Jahren vervierfachte sich die Zahl der Marburger Studenten auf über 1.200. Die Hochschule expandierte auch flächenmäßig und bezog neue Kliniken und naturwissenschaftlich-medizinischen Institute im Nordviertel der Stadt. Die so genannte Alte Universität wurde im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts quasi "neu" gebaut und mit einer Aula mit kostbaren Wandgemälden zur Stadt- und Universitätsgeschichte ausgestattet. 1908 durften sich die ersten Studentinnen immatrikulieren, inzwischen studieren mehr Frauen als Männer an der Marburger Universität. Der erste Nobelpreis für Medizin ging 1901 nach Marburg, wenig später entwickelte sich hier eine Blütezeit der Theologie und Philosophie mit Bultmann, Heidegger, Natorp und dem jungen Gadamer. Dagegen prägten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor allem der Politikwissenschaftler Abendroth und der Pädagoge Klafki den Ruf der Philipps-Universität, wie sie sich seit 1933 nennen darf.
Die Philipps-Universität ist heute geprägt durch ihre Vielzahl an kleinen, vor allem geisteswissenschaftlichen Fächern, die zahlreiche Kombinationen ermöglichen. Führend in Rankings ist sie vor allem in den Naturwissenschaften, insbesondere Chemie und Biologie, ebenso wie in der Psychologie. Hervorragend ausgewiesen ist sie beispielsweise in den Materialwissenschaften und der Nanotechnologie, in der Tumorbiologie und der Mikrobiologie, in den Neurowissenschaften, auf dem Gebiet der Optodynamik, der Friedens- und Konfliktforschung sowie weiteren natur- und geisteswissenschaftlichen wie auch medizinischen Fachgebieten. Im Bereich der Forschung gilt sie als überdurchschnittlich erfolgreich, was durch hohe Auszeichnungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, insbesondere elf Leibniz-Preise, belegen.
Chronologie
Geschichte der Stadt Marburg
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Landgrafenschloss
Das über der Oberstadt thronende Landgrafenschloß, einst Residenz, ist heute Hauptanziehungspunkt für Touristen. 1529, zwei Jahre nach der Universitätsgründung, trafen sich hier Luther, Zwingli und weitere Reformatoren zum berühmten Marburger Religionsgespräch. Seine wichtige Funktion als eine der Hauptresidenzen der Landgrafen von Hessen verlor das Marburger Schloss im Jahr 1604 mit dem Tod von Landgraf Ludwig IV., der kinderlos verstarb. Ludwig IV. - Erbe des Marburger Landesteiles - war einer der vier Söhne und Haupterben Philipps des Großmütigen (1504 - 1567). In der Folge diente das Landgrafenschloss vielen anderen Zwecken; es war unter anderem Gefängnis und Hessisches Staatsarchiv. Entsprechend wenig ist von der ursprünglichen Innenausstattung erhalten. Dennoch lohnt ein Rundgang durch die historischen Räumlichkeiten, die häufig dort präsentierten Ausstellungen und das kulturgeschichtliche Museum im Wilhelmsbau.
Die ältesten von außen sichtbaren Gebäudeteile stammen aus dem 13. Jahrhundert. Der erste hessische Landgraf Heinrich I., Enkel der Heiligen Elisabeth, baute hier seine Residenz auf. Jüngstes Gebäude ist der Wilhelmsbau (Grundsteinlegung 1493), der heute in fünf Stockwerken das Universitätsmuseum für Kulturgeschichte beherbergt. Schlossbesucher können im Untergeschoss des Westflügels auch Reste alter Burganlagen aus dem 9. und 10. Jahrhundert sehen. Die 1290 geweihte Schlosskapelle weist einen historischen Fußboden aus glasierten Tonfliesen und große Teile der ursprünglichen Wandmalereien auf.
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Fürstensaal
Der im Nordtrakt gelegene und im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts erbaute gotische Fürstensaal hat eine Grundfläche von rund 420 Quadratmetern. Damit ist er der größte gotische Profansaal Deutschlands, d. h. er wurde ausschließlich zu weltlichen Zwecken errichtet. Noch heute wird der Fürstensaal zu besonderen festlichen und kulturellen Anlässen genutzt. Der Fürstensaal dient für die SKM-Konferenz 2009 als zentraler Tagungsort.
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